Was früher war…
Die (eigentlich sehr spannende) Geschichte des ehemals stolzen Giebelhauses und seiner Eigentümer wurde durch den bekannten Historiker Dr. F. Gorissen aus Kleve erforscht und veröffentlicht:
Erbaut um das Jahr 1460 diente das Haus bis ins 16. Jahrhundert als Wohnung für Vikariatsgeistliche der Nicolaikirche, danach erwarb es 1544 der Landedelmann van Ulfft als Witwensitz. Nach weiteren Besitzerwechseln gelangte es schließlich am 13. September 1734 in den Besitz des ehemalige Kalkarer Bürgermeister Alard Gerhard Hellendorn.
Im Jahre 1760 hinterließ Hellendorn den Großteil seines Vermögens seiner Stiftung‚ das Haus am Kirchplatz wurde fortan bis 1980 von Mietern bewohnt. Danach kam es - mittlerweile ein verbautes "Ackerbürgerhaus" mit einem kleinen handwerklichen Betrieb und immer noch namenslos - durch Kauf in den Besitz der Eheleute Karl und Marlies van Dornick aus Kalkar. Sie entdeckten im damaligen Obergeschoss Reste einer alten Wandmalerei und legten einen kleinen Teil frei. Erst mit der fachmännischen Freilegung ganzer bemalter Wand- und Deckenflächen durch den Landeskonservator Rheinland wurde die große kulturhistorische Bedeutung dieses unscheinbaren Hauses offenbar.
Was daraus wurde
Die wechselvolle Geschichte hat auch die Bausubstanz des Hauses verändert. Die ursprüngliche Halle wurde durch den Einzug einer Holzbalkendecke in 2 Wohngeschosse geteilt und gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die stark baufällige Giebelkonstruktion abgetragen. Erst mit der Restaurierung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Hallenraum mit der "Hangkamer" (Empore) wieder hergestellt, wobei die Balkendecke heute noch im Originalzustand ist. Die „Opkamer‘ mit dem darunter befindlichen Gewölbekeller wurden ebenso originalgetreu restauriert. Die Giebelelemente des Erd- und Obergeschosses sind im Original erhalten, während der ehemals vorhandene abgetreppte Giebel auf Anweisung des Landeskonservators in moderner Formgebung neu erstellt wurde.
Einmalig nördlich der Alpen in einem bürgerlichen Profanbau sind die Wandmalereien von 1490, welche Szenen aus dem Alten Testament (Salomonisches Urteil) und der Heiligenlegende zeigen. Sie wurden freigelegt und fixiert und sind noch im ursprünglichen Farbzustand. Die mit floralem Dekor bemalte Holzbalkendecke in der Opkamer stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Seit 1984 befindet sich hier das Restaurant "de Gildenkamer" - der Name soll an die noch bis zum heutigen Tag in Kalkar existierenden Handwerkergilden erinnern.



